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Cornell 7: Jane Doe, Beweise und die neuen Untersuchungen

Der Cornell-7-Fall: Vorwürfe, unterschiedliche Sanktionen, Zustimmung nach New Yorker Recht, die Beweislücken und die Überprüfung durch Sally Yates.

TrueCrime.today Editorial9 Min. Lesezeit
Ein erfundener Universitätsarchivraum mit violetter Lampe und TrueCrime.today-Mappe; symbolische Illustration, keine Aufnahme von Cornell.

TL;DR

Im Cornell-7-Fall wirft eine ehemalige Studentin Mitgliedern der Verbindung Chi Phi sexuelle Gewalt in der Nacht vom 19. auf den 20. Oktober 2024 vor. Ihre Zivilklage vom September 2026 richtet sich auch gegen die Universität und weitere Organisationen. Die sieben Männer bestreiten rechtswidriges Verhalten. Ihnen werden unterschiedliche Handlungen zugeschrieben; auch die Hochschulsanktionen unterscheiden sich.

Wir haben die Entwicklungen zuletzt am 7. Oktober 2026 geprüft. Seit dem 1. Oktober leitet New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James die strafrechtlichen Ermittlungen. Am 6. Oktober kündigte Cornell eine gesonderte Überprüfung durch Sally Yates an. Die ausgewerteten aktuellen Berichte meldeten noch keine strafrechtliche Anklage.

Sieben Namen, aber unterschiedliche Vorwürfe

Wenn du zum Fall nur die Schlagzeile über ein paar Strafaufsätze kennst, entsteht ein falsches Bild. Zwei Männer wurden von Cornell ausgeschlossen, andere zeitweise suspendiert. Bei zwei weiteren bestanden die Maßnahmen aus Kontaktverboten, Schulungen und schriftlichen Aufgaben. Über deren Angemessenheit lässt sich streiten, ohne allen dieselbe Beteiligung zuzuschreiben.

Die Universität liegt in Ithaca im Bundesstaat New York. Cornell College in Iowa ist eine andere Hochschule. Chi Phi bezeichnet eine Verbindung mit mehreren Ortsgruppen; betroffen ist die Cornell-Gruppe. Sie wurde laut Universität 2024 geschlossen und bleibt vom Campus ausgeschlossen.

Jane Doe ist ein Name zum Schutz der Klägerin. Die Klage nennt Matthew Ingalls, Johnathan Newell, Winston Lee, Gillio Lopes, Diego Sarabia, Scott Norris und Scott Kretzschmar. Die Bezeichnung Cornell 7 fasst diese Männer zusammen. Sie ist weder ein Schuldspruch noch die Zahl sämtlicher Beklagter.

Bei True Crime lässt sich leicht vergessen, dass ein Fall noch offen ist, wenn die Erzählung bereits einen fertigen Schluss anbietet. Hier müssen die einzelnen Vorwürfe, Hochschulentscheidungen und möglichen Straftaten getrennt geprüft werden.

Was Yates prüfen soll und was James entscheiden kann

Gouverneurin Kathy Hochul übertrug James am 1. Oktober die Ermittlungen und eine mögliche Strafverfolgung im Umfang ihrer Anordnung. Damit ersetzt die Generalstaatsanwältin für diese Sache den örtlichen Bezirksstaatsanwalt. Eine Übertragung ist keine Anweisung, bestimmte Personen schuldig zu sprechen.

Die Überprüfung unter Sally Yates betrifft dagegen Cornell selbst: Ermittlungen, Zusammenarbeit mit Polizei und Staatsanwaltschaft, Beweismittelweitergabe, Disziplinarverfahren, Unterstützung Betroffener und Aufsicht über Verbindungen. Auch die Aufsicht durch den Universitätsrat gehört zum angekündigten Prüfauftrag.

Yates war stellvertretende US-Generalstaatsanwältin und arbeitet heute bei King & Spalding. Ihr Team berichtet an einen Sonderausschuss des Universitätsrats und soll im rechtlich zulässigen Umfang Zugang zu Unterlagen und Personal erhalten. Cornell will Ergebnisse und Empfehlungen teilen; ein Abschlussdatum fehlt bislang.

Ob die Prüfung dem versprochenen Abstand gerecht wird, hängt auch davon ab, ob sie Entscheidungen des Auftraggebers untersucht und ihre Schlussfolgerungen nachvollziehbar veröffentlicht. Verteidiger Andrew Miltenberg begrüßte eine unabhängige Prüfung in der CNN-Berichterstattung vom 6. Oktober. Auch die Verteidigung verlangt also eine Prüfung des Umgangs mit dem Fall, wenn auch mit anderen Einwänden.

Der Abend im Verbindungshaus

Jane Doe war zwanzig Jahre alt. Ihre Klage beschreibt Alkohol bei einer Zusammenkunft einer Studentinnenverbindung und in Bars, bevor sie zu Chi Phi ging, um Ingalls zu treffen. Im Haus sei sie zu weiterem Alkohol, Ketamin und Marihuana gedrängt worden. Sie schildert unerwünschte sexuelle Handlungen und einen späteren Zustand, in dem sie ihren Willen nicht mehr äußern konnte.

Andere Männer seien in das Zimmer gekommen; sie habe Hände weggeschoben und versucht, sich zu bedecken. Sarabia wirft sie einen erzwungenen Kuss vor. Der Bericht umfasst mehrere Abschnitte der Nacht und einen späteren Wechsel in einen anderen Raum. Diese Darstellung ist die Behauptung einer Prozesspartei und noch kein strafgerichtlich festgestellter Ablauf.

Der veröffentlichte Hochschulbericht bewertet den Beginn anders: Das Gremium hielt die anfänglichen sexuellen Handlungen mit zwei Männern für einvernehmlich. Darin liegt ein echter Widerspruch zur Klageschrift. Das Ergebnis über den Beginn beantwortet allerdings nicht die Frage nach späteren Handlungen, anderen Beteiligten oder einer veränderten Verfassung.

Für eine rechtliche Bewertung zählt deshalb der einzelne Vorgang. Eine frühere Zustimmung erlaubt keine unbegrenzte Fortsetzung. Ebenso darf aus der schweren Gesamtanschuldigung nicht automatisch auf dieselbe Handlung jedes genannten Mannes geschlossen werden.

Ein Chat, mehrere Nachrichten und spätere Telefonate

Der Hochschulbericht beschreibt eine Snapchat-Gruppe mit mehr als vierzig Mitgliedern. Zwischen ungefähr 1:42 und 2:27 Uhr wurden Nachrichten über das Geschehen und Einladungen in das Zimmer verschickt. Die Klage ordnet die erste Nachricht um 1:42 Uhr Newell zu; ABC beschreibt weitere Einladungen von Ingalls. Das sind verschiedene Nachrichten, keine beliebig austauschbaren Namen.

Laut der eidesstattlichen Erklärung der Anhörungsvorsitzenden Lauren Branchini erhielt Cornell Anfang Februar 2025 anonym ein Video, das durch die Unterhaltung scrollte. Das unterscheidet sich von einem Screenshot, der im Zusammenhang mit der staatsanwaltlichen Prüfung vom November 2024 genannt wird. Was jemand später erhalten hat, lässt sich nicht ohne Weiteres seinem früheren Kenntnisstand zurechnen.

Jane Doe zeichnete auch Gespräche mit Ingalls auf, während sie den Abend rekonstruieren wollte. ABC berichtete am 5. Oktober über den Streit, ob sie sich als nüchtern bezeichnet habe, sowie Erklärungen zur Tür und zum Auftauchen weiterer Männer. Solche Gespräche können spätere Aussagen und Widersprüche dokumentieren. Sie zeigen nicht sämtliche Vorgänge im Zimmer.

Ingalls behauptete laut ABC seinerseits, wegen seines Zustands nicht zustimmungsfähig gewesen und von ihr angegriffen worden zu sein. Diese Gegenbehauptung bleibt als seine Darstellung zu kennzeichnen. Eine E-Mail stellt noch keine gerichtliche Feststellung her.

Zustimmung nach Hochschulrecht und Strafrecht

Das New Yorker Gesetz zur ausdrücklichen Zustimmung an Hochschulen verlangt eine wissende, freiwillige und gegenseitige Einwilligung. Schweigen genügt nicht. Eine Zustimmung kann zurückgenommen werden und gilt nicht automatisch für weitere Handlungen. Auch freiwilliger Alkohol- oder Drogenkonsum kann je nach Zustand die Fähigkeit zur Zustimmung aufheben.

Im Strafrecht ist mental incapacitation enger definiert. Nach dem im Oktober 2024 geltenden Gesetz geht es dabei unter anderem um eine vorübergehende Unfähigkeit durch ein ohne Zustimmung verabreichtes Mittel. Diese Einschränkung steht im Mittelpunkt eines Teils der Kritik an der ursprünglichen Entscheidung der Staatsanwaltschaft.

Freiwilliges Trinken bedeutet dennoch keine Erlaubnis für sexuelle Gewalt. Das Strafrecht erfasst auch physical helplessness, also Bewusstlosigkeit oder die körperliche Unfähigkeit, Ablehnung mitzuteilen, sowie forcible compulsion, Zwang durch Gewalt oder bestimmte Drohungen. Ein geäußerter Widerspruch und spätere Veränderungen des Zustands müssen anhand der konkreten Handlung geprüft werden.

§130.35 erfasst unter anderem Vergewaltigung durch Zwang oder gegenüber einer körperlich hilflosen Person als Verbrechen der Klasse B. §130.30 behandelt unter anderem bestimmte Fälle mentaler Handlungsunfähigkeit als Klasse D. Das erläutert mögliche Tatbestände; es weist keinem der sieben Männer eine bereits erhobene Anklage zu.

Das Hochschulgremium entschied nach überwiegender Wahrscheinlichkeit. Für eine strafrechtliche Verurteilung muss Schuld jenseits vernünftiger Zweifel bewiesen werden. Unterschiedliche Ergebnisse können deshalb entstehen, ohne dass ein Verfahren das andere vollständig beantwortet.

Zivilverfahren, Hochschulverfahren und strafrechtliche Ermittlungen prüfen jeweils andere Fragen und können nebeneinander bestehen.

Zwölf Anhörungstage und die tatsächlichen Sanktionen

Branchini datiert den Beginn des formellen Hochschulverfahrens auf den 22. November 2024; später wurde es erweitert. Die Anhörung lief an zwölf Tagen im Mai 2025. Die Parteien konnten aussagen, Beweise einbringen und Fragen stellen. Die Niederschrift umfasste 1.732 Seiten. Der Bericht erschien am 18. August 2025.

The Cornell Daily Sun berichtete am 5. Oktober nach der Prüfung von Unterlagen: Ingalls und Newell wurden ausgeschlossen. Lee erhielt zwei Jahre Suspendierung mit anschließenden Auflagen; Lopes drei Semester Suspendierung und zwei Jahre Bewährung im Hochschulverfahren. Sarabia hatte bereits seinen Abschluss und erhielt drei Jahre Campusverbot. Norris und Kretzschmar erhielten Kontaktbeschränkungen, Schulungen und Reflexionsaufgaben.

Die vollständige Zuordnung zu den Namen beruht auf dieser Dokumentenrecherche, da öffentliche Kopien teilweise geschwärzt sind. Cornell bestätigt Ausschlüsse und Suspendierungen und erklärt, dass niemand lediglich einen Aufsatz schreiben musste. Ein Campusverbot nach dem Abschluss ist auch etwas anderes als der Entzug des Abschlusses.

Ob einzelne mildere Maßnahmen ausreichten, bleibt eine berechtigte Frage. Sie muss an den jeweiligen Feststellungen ansetzen. Die Universität verhängte keine strafgerichtlichen Strafen.

Die Gerichtskontrolle war auf einen Befund begrenzt

Ein Mann, im gerichtlichen Dokument John Doe genannt und in Berichten als Kretzschmar identifiziert, focht seinen Hochschulbefund an. Das Gremium hatte ihn nicht für sexuelle Gewalt oder vollendete sexuelle Ausbeutung verantwortlich erklärt, sondern für versuchte sexuelle Ausbeutung. Die interne Beschwerde scheiterte am 14. Januar 2026.

Im Article-78-Verfahren ging es anschließend um ausreichende Information über die mögliche Feststellung eines Versuchs. Der Richter wies den Antrag am 23. September zurück. Diese Kontrolle der Hochschulentscheidung ist kein Strafprozess und entscheidet weder die gesamte Zivilklage noch die Schuld der sieben Männer.

Das Urteil spricht auch an, dass ein Gremiumsmitglied während etwa 45 Minuten Zeugenaussage Auto fuhr. Laut Gericht wurde dies in Schriftsätzen und mündlicher Verhandlung nicht als Grund für die beantragte Aufhebung verfolgt. Eine Fußnote erläutert, dass der Richter selbst bei Prüfung dieser Frage keinen Ermessensmissbrauch erkannt hätte. Das ist enger als die Aussage, ein Gericht habe die gesamte Anhörung für fehlerfrei erklärt.

Der Streit um die Weitergabe von Beweisen

Bezirksstaatsanwalt Matthew Van Houten verteidigte seine Entscheidung von 2024 mit einer sechsseitigen Erklärung, die seine Mitarbeiter geprüft hätten. Später nahm er die Untersuchung erneut auf. WSKG dokumentierte zugleich Änderungen an Cornells FAQ: Eine Aussage über die Weitergabe aller Ermittlungsinformationen wurde gestrichen; später wurden eine Erklärung und ein Snapchat-Screenshot genannt.

Dabei bleibt offen, ob die längere Befragung und weitere Unterlagen vorlagen. ABC veröffentlichte zudem den Inhalt einer Polizeinotiz vom 25. November 2024. Demnach bot Ermittler Jeffrey Northrup weitere Interviews an, die das Büro nach seiner Bewertung der Erklärung nicht mehr prüfen wollte.

Die Frage lautet deshalb genauer: Was sammelte die Polizei, was bot sie an, was schickte sie tatsächlich, und was nahm die Staatsanwaltschaft entgegen? Behauptungen einer vollständigen Weitergabe oder einer vollständigen Geheimhaltung lassen sich ohne diesen Abgleich nicht tragen.

CNN berichtete über vorbereitete Schreiben vom 15. November 2024 an Verizon und T-Mobile zur Datensicherung. Ob sie versandt wurden, ob Daten erhalten blieben und ob gerichtliche Anordnungen folgten, war in diesem Bericht nicht geklärt. Der Text einer Anfrage beweist noch keine erfolgreiche Sicherung oder Auswertung.

Vertuschungsvorwürfe und die Meldung vom 6. Oktober

Jane Does Zivilanwalt Thomas Giuffra wirft den Ermittlern vor, Beweise nicht ausreichend gesichert zu haben, und vermutet Löschungen. Er erklärte im CNN-Interview vom 4. Oktober, dass er Zivilanwalt und kein Strafverteidiger ist. Van Houten widersprach dem Vertuschungsvorwurf. Für eine festgestellte Beweisvernichtung bräuchte es weitere Angaben zu Geräten, Sicherungen oder gelöschten Daten.

Am 6. Oktober berichtete ABC über einen anonymen Hinweis: Verantwortliche der Verbindung sollen mögliche Zeugen zum Schweigen aufgefordert haben. Polizeiliche Interviews behandelten Treffen zur Abstimmung von Aussagen. Eine Zeugin schilderte entsprechende Bemühungen, ein anderer Beteiligter beschrieb ein gewöhnliches wöchentliches Treffen. Ein anonymer Hinweis rechtfertigt Nachfragen; er beweist noch keinen gemeinsamen Plan.

Die Verteidigung von Norris unterscheidet dessen beleidigende Chatbeiträge von einer Beteiligung an einem Übergriff. Miltenberg verlangte außerdem James’ Rückzug wegen ihrer öffentlichen Unterstützung für Jane Doe. Hochul hielt an ihrem Vertrauen fest; James versprach, nach Fakten und Gesetz zu handeln. Der Antrag allein belegt keine Befangenheit.

Was sich für die Studierenden ändern müsste

Nach dem Protest vom 5. Oktober verlangen Studierende verlässliche Unterstützung und eine andere Aufsicht über Verbindungen. Die Berichte vom 6. Oktober nannten eine für den 7. geplante siebenstündige Sitzaktion und ein vorgeschlagenes Misstrauensvotum für den 14. Oktober. Ein angekündigtes Vorhaben darf nicht als abgeschlossenes Ereignis dargestellt werden.

Cornells Bericht vom März 2026 nennt für eine Befragung 52% der teilnehmenden Studentinnen mit Verbindung zur Greek-Life-Szene, die sexuelle Gewalt während ihrer Studienzeit angaben, gegenüber 29% ohne solche Verbindung. Der Abstand beträgt 23 Prozentpunkte. Nur 13% der Bachelorstudierenden antworteten, verglichen mit 34% in der vorherigen Befragung. Die Zahlen belegen weder einen exakten Anteil an der gesamten Hochschule noch eine Ursache durch Mitgliedschaft.

Vergleiche mit Promising Young Woman spiegeln Wut über den Schutz männlicher Reputation. Ein Film ist kein Beweis für die Ereignisse in Ithaca. Unbelegte Behauptungen über einflussreiche Familien oder die Identität von Jane Doe können Menschen schaden und beantworten keine der Ermittlungsfragen.

Verantwortung braucht überprüfbare Entscheidungen

James muss Beweise den Handlungen einzelner Personen zuordnen, bevor über Anklagen entschieden wird. Yates soll erklären, ob Cornell seine Regeln einhielt und seine Aufsichtspflichten wahrnahm. Im Zivilverfahren geht es gesondert um behauptete Pflichtverletzungen, Schäden und Haftung. Die Klageschrift allein beweist diese Ansprüche noch nicht.

Bewiesene Gewalt gegen Frauen muss mit der gesetzlich gebotenen Strenge verfolgt und bestraft werden. Wenn du den weiteren Verlauf beurteilst, zählen die veröffentlichten Entscheidungen und ihre Gründe. Die offenen Fragen sind Anlass für ernsthafte Ermittlungen und Schutz der Betroffenen, nicht für die öffentliche Suche nach einer anonymen Klägerin.

Für deine nächste Folge

Hast du eine Frage zu einem Chat, der Anhörung oder den Zustimmungsregeln? Nenne die Aussage und ihr Datum. Schicke keine privaten Zeugenaussagen oder Unterlagen, die Jane Doe identifizieren.

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